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 I get my kicks on Route 66!

 

 Karte: University of Texas Libaries


Well if you ever plan to motor west,
Just take my way, that's the highway that's the best.
Get your kicks on Route sixty-six.

Well it winds from Chicago to LA
More than two-thousand miles all the way.
Get your kicks on Route sixty-six.

Well it goes through St. Louie down to Missouri
Oklahoma City looks oh so pretty.
You'll see Amarillo, Gallup, New Mexico
Flagstaff, Arizona, don't forget Winona,
Kingsman, Barstow, San Bernardino.

Won't you get hip to this timely tip
And think you'll take that California trip.
Get your kicks on route sixty-six.
Get your kicks on route sixty-six.

Text: Bobby Troup

 


 

Warum diese Seite (und damit der gesamte Internetauftritt) entstanden ist?

Der Grund ist recht simpel, die Touren mit dem Motorrad endeten in der Regel am späten Nachmittag, und das waren - wegen der Zeitverschiebung - bis zu 9 Stunden Unterschied im Verhältnis zu Deutschland, wo es dann tiefe Nacht war. Wenn ich dann abends im Hotel einen kurzen Bericht auf meine Internetseite gesetzt hatte,  wußte meine Familie in Deutschland so am nächsten Morgen zum einen, dass wir die Tagestour gut zu Ende gefahren waren, und sie konnte so zum anderen immer mit verfolgen, was wir am Tag zuvor erlebt hatten.

 

Dienstag, 30.6.2009, 17.29 Uhr

Start ins große Abenteuer!

Mit dem Zug geht’s von Krefeld nach Frankfurt, Übernachtung am Frankfurter Flughafen.

 

Mittwoch, 1.7.2009

  7.25 Uhr mit British Airways nach London Heathrow

11.45 Uhr (12.45 Uhr MEZ) mit British Airways nach Chicago O’Hare. Probleme beim Einchecken bescheren mir ein kostenloses Upgrade in der Business-Class.

14.00 Uhr Ortszeit (21 Uhr MEZ): Ich betrete amerikanischen Boden. Die Formalitäten bei der Einreise – Fingerabdrücke und Foto - sind in 5 Minuten erledigt.

Mit der CTA (Metro) geht‘s zur Station „Roosevelt“. Was mir schon beim ersten Mal auffällt: Die Metro ist sehr sauber! Außerdem - schon am Flughafen fängt es an - überall sehr viel Präsenz von Polizei- oder Ordnungskräften. Ich fühle mich sicher in Al Capones Heimatstadt.

Übernachtung im Best Western State Park Hotel an der Michigan Avenue. Erster Spaziergang entlang der Michigan Avenue. Der Millennium-Park ist architektonisch sehr gut gelungen mit Kulturpavillon, Wasserspielen und großen Rasenflächen, die von sehr vielen Familien zum Sporttreiben und für Picknicks aufgesucht wird. Zurzeit findet im Millennium Park findet das Festival “Taste of Chicago” statt, ich habe selten so viele (fr)essende Menschen an einem Ort gesehen, hier muss wohl zuvor eine Hungersnot gewesen sein.

Abends geht’s zum Essen ins “Heaven on Seven” (Cajun Köche) auf Empfehlung vom DuMont-Reiseführer, ein guter Tipp.

 

Donnerstag, 2.7.2009

Rundgang durch die Loop: So geschäftig wie im Reiseführer beschrieben ist der Business-Distrikt nicht. Die Hotelhalle vom Hilton kommt mir aus dem Film „Auf der Flucht“ mit Harrison Ford bekannt vor. Vom Sears-Tower (Aussichtsplattform in 412 m Höhe) erhält man eine sehr gute erste Übersicht von Chicago. Von oben schon mal nach weit nach Westen geschaut, am Sonntag geht es ab in diese Richtung!

Und dann: 13.45 Uhr – ich habe meine Harley !!!

Eine Heritage Softail (Meilenstand 7.856 Meilen). Die ersten Meilen sind noch etwas wackelig und fremd auf der Maschine, aber nach ein paar Meilen … und dann auf die Downtown zufahren, ein großartiges Gefühl.

Nachmittags Einfahren im Stadtgebiet, die Straßen sind sehr schlecht, große Löcher, Rillen im Straßenbelag, hektische Taxifahrer hupen ständig und wechseln plötzlich die Straßenseite.

Abends Besichtigung des historischen Watertower und der Magnificant Mile (Einkaufsstraße). Ich frage mich was ich hier eigentlich soll mit lediglich zwei Satteltaschen für das gesamte Gepäck? Das Essen im ESPN-Zone ist typisch amerikanisch!

Ich habe immer noch den alten Schlafrhythmus!

 

Freitag, 3.7.2009

Einfahrtour mit der Harley: Am See entlang durch Indiana bis nach New Buffalo in Michigan und zurück (160 Meilen), es läuft schon wesentlich besser!

An Obamas ehemaligem Wohnhaus im wahrsten Sinne vorbeigefahren (Reisebericht „Die Welt“), die Amerikaner haben das tatsächlich noch nicht vermarktet.

Nachmittags Architektur-Rundfahrt mit dem Boot über den Chicago-River, sehr interessant. Man sollte bei uns auch mal öfter geniale Architekten ranlassen und bei der Gestaltung von Gebäuden freie Hand lassen.

Abends dann zum Festival „Taste of Chicago“, ich musste hin, weil da ein Army-Konzert stattfand mit anschließendem Feuerwerk zum 4. Juli. Das Konzert war überwältigend, Hymne, Aufmarsch der Fahnen von Army, Navy, Aircaft und Home Guard, die Musik war nicht marschmäßig, aber die Stücke wurden heroisch kommentiert. Die kurze Rede eines Generals endete mit dem Wunsch: „Happy Independent Day!“ Ich wollte wir Deutschen würden den Tag auch mal so feiern, fröhlich mit einem Fest für die Bevölkerung!

Anschließend noch im B.L.U.E.S. (Studentenviertel) die Band „Chicago Rhythm and Blues Kings“ gehört.   

 

Samstag, 4.7.2009

Museum for Science and Industrie, sehr interessant auch für Kinder, ein Museum mit Show und Wissenschaft, wobei der Showeffekt (Amerika!) stärker ins Auge fiel. Aber so kriegt man die Menschen und vor allem Kinder ins Museum.

Es regnet in Strömen, hoffentlich ist morgen besseres Wetter!

Abends Essen im Italian Village, anschließend in der ESPN-Zone noch ein Bier getrunken mit Frank. Er fand meine Idee, die Route 66 zu fahren großartig und wünschte mir etwas neidisch (welcher Amerikaner kann es sich leisten, 3 Wochen Urlaub zu machen) viel Glück. Er war übrigens Fußballfan und kannte Köln (nicht Cologne) und wusste sogar, dass Lukas Podolski wieder in Köln spielt! 

 

Sonntag, 5.7.2009

Endlich geht’s los! 6.15 Uhr aufstehen (ich habe ab 4.30 Uhr vor Aufregung nicht mehr schlafen können), die Satteltaschen sind groß, es passt eine Menge rein.

Start zur Route 66: 7.43 Uhr (Meilen-Stand 8.047) und es scheint die Sonne!

Nicht ganz so wie bei Peter Fonda und Dennis Hopper in „Easy Rider“: Ohne LSD und Kokain, dafür mit Helm, Nierenschutz, dem heiligen Christophorus auf dem Tank, aber sonst schon so ein Lebensgefühl von Freiheit!

Es ist Sonntag, die Straßen sind leer und es geht langsam, Ampel für Ampel die Adams Street herunter. Nach 10 Meilen fahre ich durch ein menschenleeres Industriegebiet, kein Schild, kein Hinweis auf die Route 66, bin ich noch richtig?

 

 

 Route 66 Cafe und Tanksäule in Joplin 

Dann endlich, in Berwyn trägt jede Straßenlaterne ein Schild „Berwyn Route 66“. Von jetzt an ist die Route auch gut beschildert (der AAA Illinois hat übrigens eine sehr gute Karte von der Route 66 von Chicago bis St. Louis).

Die Straßen sind manchmal sehr holprig, dann wünsche ich mir wegen der Federung meine BMW Reise-Enduro! Sonntags zu fahren hat wegen der leeren Straßen seine Vorteile, leider sind aber auch alle Route 66 Cafés (die urigen zumindest) geschlossen. Manchmal ist auch einfach eine Route 66 Straße gesperrt oder wird als Ausweichspur für eine Interstate benutzt, man merkt es allerdings erst, wenn man vor dem Sperrzeichen steht.

Nach 30 Meilen vor Joliet, der "Route 66 Town" wie sie sich nennt, wird es ländlich schön, riesige Mais- und Sojafelder wechseln sich ab. In der Hauptstadt Springfield am Kapitol mit der Statue von Abraham Lincoln herrscht das gleiche Bild wie in Tallahassee (Hauptstadt von Florida), sonntags ist es hier menschenleer.

Wandmotive in Pontiac und der Gemini-Giant in Wilmington  

Um 18.10 Uhr ist die erste und längste Etappe (347 Meilen = 555 Kilometer) zu Ende. Das Hotel liegt weit weg von der Route 66, ca. 20 Meilen, aber nicht schlecht. Ich gönne mir am nächsten Tag eine Pause.

 

Montag, 7.7.2009

Als erstes habe ich die Brauerei Anheuser und Bush besichtigt. Das haben die Amerikaner drauf: Produktmarketing durch (kostenlose) Betriebsführungen, showmäßig aufgezogen, natürlich!

Beim AAA wollte ich eine Route 66 Karte wie in Illinois haben, erhalten habe ich lediglich zwei DIN-A-4 Blätter mit der Auflistung der Interstates von Chicago bis Los Angeles, kann man also vergessen.

Die Union Station, Relikt vergangener Zeit, wird wieder aufgemotzt, muss aber mit den gleichen Problemen fertig werden, wie unsere Innenstädte: die Mieter einiger Geschäfte haben aufgegeben, viele Läden stehen leer. So kommt natürlich kein Leben in die „Bude“.

 

Beim Anblick des parabelförmigen Bogens des "Gateway Arch" (192 Meter hoch und symbolisches Tor zum Westen) lacht natürlich das Herz eines Mathematiklehrers. Das Organisations-System beim Bestücken der Kabinenbahn nach oben in den Gateway Arch allerdings war eine Show für sich. Woanders hätte eine Person zum Abzählen von jeweils 40 Fahrgästen gereicht, für das Organisations-System hier werden dafür gleich 10 Leute benötigt. Es muss halt alles seine Ordnung haben, hier in den USA.

Der Gateway-Arch hinter dem Old Courthouse  Denkmal am Ufer des Mississippi

Heute bin ich insgesamt 69 Meilen durch St. Louis gefahren (daran kann man sehen, wie groß die Städte hier sind).

 

Dienstag, 8.7.2009

8.20 Uhr auf der Harley. Zunächst geht es durch die Vorstädte von St. Louis, schöne kleine, aber auch  typisch ausufernde Industrie- und Einkaufsmalls. Ansonsten ist die Landschaft heute leicht hügelig und bewaldetes Farmland mit Kleinfarmern. Oft verläuft die "Route 66" parallel zu einer Interstate, man fährt dann so ziemlich allein auf der Straße.

„Historic Route 66“ Schilder gibt es hier auch in Missouri, sie stehen leider immer erst einige Meilen nach einer Kreuzung am Straßenrand, dann weiß man jedenfalls, dass man richtig gefahren ist. Und wenn nicht, dann geht es nach der Himmelsrichtung, irgendwann kommt man wieder auf die Route 66.

In den 1870ern soll sich Jesse Lames in den Meramec Caverns versteckt haben.

Die Show in den Meramec Caverns (Höhlensystem in der Nähe von Stanton, Missouri) war amerikanisch grandios, die Musik- und Lichtshow zum Ende des Rundgangs endete in einer der Höhlen mit der projizierten amerikanischen Flagge auf die Stalagmiten und Stalaktiten und mit dem Song „God bless America, my home sweet home“ von Irving Berlin.

Die Mule Trading Post in Rolla, Missouri, hat auch schon bessere Zeiten erlebt.

17.45 Uhr in Springfield (Missouri) angekommen, Tagesleistung 283 Meilen (453 km).

Abendessen im "Hemingway's" in der Outdoor World. Das ist eine Riesenhalle mit vielen Shops mit allem, was das Herz eines Anglers oder Jägers höher schlagen lässt. Bei der Riesenauswahl an Waffen (von der Pistole bis zum Schnellfeuergewehr, direkt mit Schießstand zum Ausprobieren) geht mir durch den Kopf, dass ein Jäger, der zum Schießen eines Wildtieres ein 100-Schuss-Schnellfeuergewehr braucht, sein Hobby wegen Unfähigkeit eigentlich aufgeben sollte. 

 

Mittwoch, 9.7.2009

8.50 Uhr auf der Harley. Heute geht es durch endloses Wiesen- und Weideland, ich bin im mittleren Westen angekommen.

Auch in Carthage (gesprochen: KA-sitch) mit seiner sehr schön restaurierten Innenstadt und einem alten Courthouse hält nicht jede Ehe, wenn man so seine Frau behandelt!

Webb-City macht mit einer riesengroßen Skulptur, den „betenden Händen“, die für den Weltfrieden bitten, auf sich aufmerksam: "Hands in Prayer - World in Peace". Daneben steht ein Armee-Denkmal, ein Geschütz mit einer Gedenktafel: „I spoke for your freedom“. Amerikanische Ambivalenz!

Was ist das? Auf der Route 66 fängt direkt hinter einem Meilenbegrenzungsschild eine Schotterstraße an, der alte Straßenbelag ist schwach darunter zu erkennen. Zum Glück bin ich nur sehr langsam gefahren. Also zurück, eine bessere Straße suchen.

Die 13 Meilen der Route 66 in Kansas sind die am besten beschilderten: Alle 100 Meter ist das "Route 66" Zeichen wie gestempelt auf der Straße zu sehen. Direkt hinter der Grenze (von Missouri und Kansas) in einer früheren Bahnstation befindet sich das Galena Museum.

Die erste Stadt hinter der Grenze zu Oklahoma, Quapaw, zeigt: Ich bin im Indianerland angekommen. Oklahoma bedeutet in der Sprache der Choctaw „Land der roten Menschen“ („okla“ = Mensch und „homma“ = rot). Mir kommen wieder die Erinnerungen an den „Trail of Tears“, von dem ich vor 10 Jahren in Cherokee (North Carolina) gehört hatte. 

 

Staatsgrenze in Baxter Springs Stroud (Oklahoma

Was für ein Dienstleistungsland Amerika doch ist! Neben einer der vielen Wedding-Chappels in Miami (Oklahoma) fällt mir ein Büro auf, vor dem auf riesigen Tafeln „Easy and quick divorce“ zu lesen ist.

16.40 Uhr in Tulsa (Oklahoma) angekommen, Tagesleistung 248 Meilen (397 km).

 

Donnerstag, 10.7.2009

Glück gehabt, kurz bevor ich losfahren will, zieht ein Riesengewitter mit einem sintflutartigen Regen direkt über mich hinweg. Ich möchte mir nicht vorstellen, das wäre unterwegs passiert.

Dann endlich um 9.50 Uhr geht es wieder auf die Piste. Ich habe mein T-Shirt mit dem großen "Route 66" Zeichen auf der Brust angezogen und werde auch prompt angesprochen, ob ich denn das wirklich mache, die ganze Tour auf einer Harley von Chicago bis Los Angeles. Als ich das bejahe beginnen die Augen meines Gegenübers zu leuchten, das wolle er später auch mal machen, das wäre sein Traum!

Heute habe ich nur eine kurze Etappe zu fahren, von Tulsa nach Oklahoma City. Auf jeden Blumenkübel hat die Stadt Tulsa das Route 66 Symbol gemalt, die Straße ist also nicht zu verfehlen. Ich suche den "Golden Driller", Denkmal und Symbol für den Ölreichtum dieses Staates und der Stadt Tulsa ("Oil Capital of the World", wie sie sich selbst nennt), finde ihn aber leider nicht. Für alle, die ihn sehen wollen, hier ist die Adresse: East 21st Street, Tulsa, Oklahoma, USA

 

"Golden Driller"

Zunächst geht es - wie schon öfter erlebt - durch zersiedelte Industrievorstädte. Inzwischen hat die Sonne die Straße schnell getrocknet. Nach 20 Meilen öffnet sich die Landschaft wieder, vorbei geht es an riesigen Rinder- und Pferdefarmen mit den typischen Herrenhäusern hinter weiß umzäunten großen Koppeln. Die Rinder und Pferde haben sich inzwischen einen schattigen Platz unter einer der Baumgruppen auf den Weiden gesucht, ich fahre unter der stechenden Sonne. Beim Fahren merkt man es nicht, der Wind weht einem halt warm ins Gesicht, aber wenn man an einer Ampel warten muss, ist die Hitze schon unangenehm.

Die Arcadia Round Barn von 1898 wurde 1928 nach Fertigstellung der Route 66 schnell  eines der am meisten fotografierten Wahrzeichen.

Vorbei geht es an einem Friseurangebot, sich für 9,95 $ die Haare schneiden zu lassen, und an Verkaufsständen am Straßenrand, die eine Woche nach dem Nationalfeiertag immer noch Feuerwerkskörper zum 4. Juli anbieten. Der Preis liegt allerdings jetzt heruntergesetzt bei drei Raketen zum Preis für eine.

Da ich Zeit habe, mache ich einen Abstecher  nach Guthrie (20 Meilen nördlich von Oklahoma City), einer Stadt mit einer sehr schön erhaltenen Innenstadt.

14.45 Uhr in Oklahoma City angekommen, Tagesleistung 149 Meilen (238 km). Jetzt muss ich erst mal meine Wäsche waschen. Mein Gott, sind die Waschmaschinen riesig!

 

Freitag, 11.7.2009

Der Besuch im National Cowboy & Heritage Museum (National Cowboy Hall of Fame) allein war es wert, einen Tag Pause in Oklahoma-City einzulegen. Unheimlich interessant gemacht, mein Bild vom Cowboyleben ist ergänzt und korrigiert worden.

"End of the Trail" - die berühmte Skulptur in der Eingangshalle

Ich hatte mir die Gefängnisse im Wilden Westen anders vorgestellt. Erinnerungen an meinen allerersten Kinofilm: "High Noon"

Anschließend wollte ich in Stockyard (Stadtteil von Oklahoma-City mit vielen Läden für Cowboysachen) direkt Cowboystiefel und einen Cowboyhut kaufen, habe mich dann aber daran erinnert, dass ich keinen Platz mehr in den Seitentaschen meiner Harley habe. Schade!

In Oklahoma-City ist es gar nicht so schwer, in das State Capitol zu kommen. Nach einem kurzen Sicherheitscheck konnte ich direkt das ganze Gebäude besichtigen, allein - ohne Begleitung. Ist schon was anders als bei uns.

 
 Capitol mit Bohrturm-Denkmal als Symbol für den Ölreichtum des Staates    

Als ich bei einer Temperatur von 105 Grad Fahrenheit (40 Grad Celsius) ins Hotel zurückkomme, ist Carsten gerade angekommen. Toll, jetzt fahre ich nicht mehr allein.

 

Samstag, 12.7.2009

Heute geht es bis nach Amarillo („... and sweet Mary who waits for me").

8.33 Uhr on the road again! Um die hässlichen Vorstädte zu umgehen, nehmen wir erst mal den Turnpike. Danach geht es durch endloses Weideland und braun rot gefärbte Äcker. Für manch einen wäre das zu viel Landschaft, aber es macht wahnsinnig Spaß, fast immer in Sichtweite der Interstate 40 auf der Route 66 fast allein dahinzugleiten. Genau über uns ist der Himmel leicht bewölkt, so dass das Fahren angenehm ist. Heute ist der DuMont Reiseführer unheimlich exakt und hilft uns, fast ohne zu verfahren den Weg zu finden.

links: Route 66 Museum in Clinton

 

Wandgemälde in Sayre

In Clinton besichtigen wir ein mit viel Liebe hergerichtetes Route 66 Museum. Nach der Pause knallt die Sonne von oben auf uns, im Verlauf des weiteren Tages machen wir öfter eine Pause, um unseren Wasserhaushalt aufzubessern (ca. 3 Liter). Ein Gefühl, dass ich schwitze, habe ich nicht, aber wenn ich auf meine Unterarme schaue, sehe ich die Schweißperlen tropfen.

Manche kleinen Städte schmücken sich mit berühmten Personen, die in ihrem Ort geboren sind oder dort wohnen: In Erick, wo Roger Miller („King of the road“) lebte, gibt es einen Roger-Miller-Highway, in Weatherford (Oklahoma), wo der Commander von Apollo 10, Thomas Stafford, herkommt, das Stafford Air & Space Museum.

Texola  Wir sind in Texas Mc Lean

Ordnung muss sein! Beim Tanken werde ich nach meiner Postleitzahl gefragt. Mein Einwand, ich komme aus Deutschland, wird ignoriert, also gebe ich „47918“ an. Im Computer gespeichert bin ich jetzt als Tankkunde aus Attica, Indiana.

Auffällig sind die vielen Orte im Westen von Oklahoma und im Osten von Texas, wo die Häuser verfallen, die Tankstellen geschlossen und die Menschen weggezogen sind.

Schrecksekunde auf der Landstraße: Neben Carsten, der vor mir fährt, taucht aus dem 20 Meter breiten Grünstreifen zwischen Interstate und Route 66 fünf Meter neben ihm ein 6 bis 8-ender Hirsch auf und will über die Straße wechseln. Erst schreckt er vor Carsten, dann vor mir zurück, Gott sei Dank wechselt er erst hinter uns auf die andere Straßenseite.

18.05 Uhr in Amarillo (Texas) angekommen (No Sweet Marie is waiting for us!) Tagesleistung 290 Meilen (464 km).

Unser Hotel wird als zentral beschrieben, bis zur Downtown sind es allerdings 6 Meilen (ca. 10 Kilometer). In einem typischen Bikertreff „Smokey-Joe“ genießen wir ein paar schöne Stunden mir schillernden Typen.

 

Sonntag, 13.7.2009

„When the day is dawning on a Texas Sunday morning ...“. Wir müssen weiter ohne die liebe „Sweet Marie“ kennengelernt zu haben!

Kaum aus Amarillo entwichen suchen wir die Cadillac Ranch. Im Reiseführer steht, dass sich kein Mensch nach Hause trauen kann, der die Route 66 befahren hat und die Cadillac Ranch nicht kennt. Also suchen wir sie da, wo sie laut Beschreibung sein sollte, ist sie aber nicht. Irgendwann haben wir sie aber doch gefunden, und erfahren, dass der Mäzen sein gesponsertes Kunstwerk (eingegrabene Cadillacs als Symbol von Freiheit und Sexualität (ich höre Herrn Peschken sprechen) um einige Meilen nach Westen verlegt hat, um den natürlichen Abstand zur Großstadt zu wahren.

Wir sind in Adrian angekommen. Hier befindet sich der Midpoint der Route 66: offiziell 1.139 Meilen von Chicago und von Los Angeles entfernt.

 

Nach Stunden verlassen wir das Gebiet der XIT-Ranch (12.000 km²), riesige Weiden und Rinderherden. Dann kommen wir in die Prairie. Soweit das Auge reicht, nur verdorrtes Weideland, durchsetzt mit Buschwerk: Comanchenland. Die ersten Tafelberge (mesas) tauchen auf und immer wieder Eingangstore zu einer Ranch, nur  Ranchgebäude sind nicht zu sehen. Ab und zu ein Wasserloch, in dem sich Rinder tummeln. Eine erste Begegnung mit einer Klapperschlange, sie kann aber nicht mehr klappern, sie wurde überfahren (nicht von uns).

Die Landschaft, in der wir uns befinden heißt "Staked Plains", dem Karl-Mai-Leser besser als "Llano estacado" bekannt. Pfähle wiesen hier früher den Siedlern den Weg von Wasserloch zu Wasserloch. Schurken haben diese Pfähle damals dann so versetzt, dass die Siedlertrecks kein Wasser fanden und matt vor Durst überfallen und ausgeraubt wurden. Wären da nicht Old Shatterhand und Winnetou gewesen, die den Burschen das Handwerk gelegt haben: Die Karl-Mai-Bücher als Geschichtsbücher!

Da wir Zeit haben, machen wir einen Abstecher zu einem Stausee des Canadian River, dem Ute Lake und verschaffen uns ein wenig Erfrischung.

15.45 Uhr in Tucumcari angekommen, Tagesleistung 157 Meilen (251 km).

Wandgemälde in Tucumcari Mein Freund James Dean

 

Montag, 14.7.2009

8.50 Uhr geht es los, allerdings zur Mountain Time, es ist 1 Stunde später als gestern.

Die Landschaft wird hügeliger, am Horizont sind Ausläufer der Rocky Mountains zu erkennen. Doch rechts und links von der Straße Prairie so weit das Auge reicht. Gelbes verdorrtes Gras durchsetzt mit wenigen Büschen, auch einige Kakteen sind jetzt schon dabei. Die Route 66 wird stellenweise sehr rau, immer wieder müssen wir abbremsen, weil Viehgitter den Straßenbelag ersetzt. Wir stehen vor einer Wasserstelle mit rostfarbenem Wasser mitten auf der Route 66 und fahren vorsichtig durch. Es ist noch mal gutgegangen, nur unsere Harleys sind jetzt schmutzig, der Chromglanz ist weg.

 Da war wohl jemand mit der Straßenführung unzufrieden.

Zweimal wird nach einer Kreuzung angezeigt, dass wir richtig auf der Route 66 sind, einmal ist sie jedoch nach 500 Metern zu Ende, einmal endet sie in einem Kreisverkehr, wobei die Einfahrt auch die Ausfahrt ist. An manchen Stellen wächst auch schon das Gras in die Straße hinein.

Und jetzt eine Begegnung mit einer lebenden Klapperschlange, die die Straße überqueren will. Ich bleibe wenige Meter von ihr stehen, sie beobachtet mich und beschließt, dass von mir keine Gefahr ausgeht, also kriecht sie ohne zu klappern weiter (Es klapperte die Klapperschlang, bis ihre Klapper schlapper klang).

In Santa Rosa verlassen wir die Route 66 und fahren jetzt auf der US 85 nach Las Vegas (New Mexico).

Weiter geht es auf dem Old Santa Fee Trail. Wir durchfahren den Apachen Canyon, doch Winnetou und Old Shatterhand lassen sich nicht blicken. Unmerklich geht es nach oben. Santa Fe liegt in ca. 2000 Metern Höhe. Dadurch werden die Temperaturen angenehm - wie in Südfrankreich.

 

    Kateri Tekekwitha, erste heiliggesprochene Indianerin

14.45 Uhr in Santa Fe angekommen, Tagesleistung 201 Meilen (362 km).

 

Dienstag, 14.7.2009

Heute ist ein relativ fauler Tag, Santa Fe wird zu Fuß erkundet. Fast die ganze Stadt ist im Adobe Stil gebaut, selbst Siedlungen, die neu um Santa Fe gebaut werden, oder ein riesiger Krankenhauskomplex sind in diesem Stil gehalten.

   

Diese mexikanisch-amerikanische Stadt hat Flair und zieht sehr viele Touristen an. Ich habe endlich Zeit meine Urlaubspost zu schreiben und mache das gemütlich auf der Plaza, dem Stadtpark in der Stadtmitte.

Abends genießen wir wie gestern die mexikanische Küche in einem der stilvollen Patios in der Innenstadt.

 

Mittwoch, 15.7.2009

9.00 Uhr wieder unterwegs. Zunächst geht es entlang am Camino Real durch eine Halbwüste, karge Landschaft, die Berge an der Straße sind gestochen scharf, dahinter im blauen Dunst die 4000er. Wir sind schließlich auf einer Hochebene.

 

Albuquerque taucht auf, eine hässliche Stadt, aber die meisten Gebäude – auch die Wohntürme – sind in der gleichen braunen Farbe wie die Adobe-Häuser gehalten. Müllhalden hinter der Stadt, daneben ein Golfplatz und ein Spielkasino.

Wir überqueren den Rio Grande, die Mosel ist ein reißender Strom dagegen. Das als Attraktion angekündigte Isleta Pueblo lassen wir links liegen, die Schotterstraße scheint uns Bikern nicht sehr sicher.

Indianische Abzocke im angeblich ältesten bewohnten Dorf in Amerika, der Sky-City im Acoma Pueblo 15 Meilen abseits der Route 66. In einer wunderschönen Landschaft gelegen dürfen wir ohne Erlaubnis nicht fotografieren, an besonders schönen Stellen wachen auch Winnetous Nachkommen darüber, dass man auch ja nichts Verbotenes tut. Das Dorf darf man auch nicht alleine besichtigen, nur unter indianischer Führung (20 $ zuzüglich 10 $ + Tax für die Fotografiererlaubnis). Wir boykottieren und schießen auf der Rückfahrt heimlich Fotos.    

 

Wir fahren über den Continentel Divide, die amerikanische Wasserscheide. Das ist der höchste Punkt der Route 66, 2.400 Meter.

Auf den letzten 40 Meilen werden die Berge langsam rötlich, sie leuchten interessant im Sonnenlicht und lassen uns die Farben der Felsen morgen im Grand Canyon erahnen.

Um 17.00 Uhr sind wir in der sogenannten Indianerhauptstadt Gallup (New Mexico) angekommen, unsere Tagesleistung heute: 256 Meilen (410 km).

 

Donnerstag, 16.7.2009

 

Um 9 Uhr verlassen wir unser Hotel mit dem indianisch aussehenden Hotelpersonal (natürlich ohne Verkleidung). Der Himmel ist bedeckt, doch nach einiger Zeit setzt sich die Sonne wieder durch. Wir fahren durch das Gebiet der Navajos, Hopis und Zunis und überqueren die Grenze zu Arizona, dem Grand Canyon State.

Kurz hinter der Grenze erleben wir 28 Meilen Erdgeschichte im Petrified Forest National Park mit zu Steinen umgewandelten Bäumen, die Farbe der Felsen ist auch unheimlich interessant. Man darf keine Steine mitnehmen, am Parkausgang werden die Kofferräume kontrolliert. Angeblich hat man Angst, dass zu viele Steine als Souvenir mitgenommen werden. Doch keine Angst, auch da haben die Amerikaner einen Ausweg, einige Meilen später in Holbrook kann man Steine in jeder Preislage ab 80 Cent kaufen.

Am Straßenrand, wie Perlen aneinandergereiht, begleiten uns jetzt unzählige indianische Verkaufsshops. Sie alle bieten T-Shirts, indianischen Schmuck, Töpfereien und Eis aus garantiert indianischer Produktion zu "sagenhaft" günstigen Preisen an. Nach dem gestrigen Erlebnis habe ich aber eher die Vermutung, dass bis auf das Eis wahrscheinlich alles in China hergestellt worden ist.

Indianische Verkaufsshops  Twin Arrows: Pfeile aus dem Weltall  Die Trading Post in Twin Arrows hat auch schon bessere Zeiten gesehen

Einige Meilen vor Flagstaff wird der Wüstensand rotbraun, die Berge werden höher. Wir verlassen in Flagstaff die Route 66, biegen ab auf die US 180, es sind 80 Meilen bis zum Grand Canyon. Wir haben eine sehr schöne Anfahrstrecke gewählt, zunächst geht es durch Nadelwälder, dann sind wir auf einer Hochebene. 

16.30 Uhr in Tusayan am Parkeingang zum Grand Canyon National Park angekommen, Tagesleistung 291 Meilen (466 km).

Nachdem wir unser Hotel bezogen haben, geht es mit einer Siebentageskarte für 12 $ in den Nationalpark. Und dann sind wir am Grand Canyon, zuerst fahren wir den East Rim einige Meilen ab, anschließend den West Rim. Ich habe in meinen 60 Jahren kaum eine großartigere Landschaft erlebt, mit Worten sind unsere Eindrücke kaum zu beschreiben, ich habe 18 Erdzeitalter übereinander gezählt, die man schichtweise erkennen kann.

Zur Beobachtung des Sonnenuntergangs haben Carsten und ich eine schöne Stelle ausgesucht. Wir warten dort über eine Stunde und hören mehr deutsche, spanische und andere Sprachen als die englische. Das tut der Abendstimmung keinen Abbruch, bis eine Dortmunder Gruppe antanzt, sich nach vorne durchdrängt und mit ihren Fußballgesprächen die Stimmung kaputtmacht. Schade!

 

Freitag, 17.7.2009

Heute Morgen fahren wir noch mal in den Nationalpark, um die Morgenstimmung zu erleben. Bei der Abfahrt schon wieder die neidischen Blicke eines Bremers auf unsere Harleys, der mit Familie und Wohnmobil hier Urlaub macht. Er erkundigt sich ausführlich bei und nach dem Fahrgefühl und dem Preis und als er sagt, dass er das auch einmal machen möchte, stimmt seine Frau sofort ein: "Och, auf der Harley kann man ja auch mit zwei Mann fahren", was ihn nicht sonderlich begeistert.

Bevor wir uns um 11.10 Uhr wieder auf die 50 Meilen zurück zur Route 66 machen, schauen wir uns noch einen Film über den Grand Canyon in einem IMAX-Kino an.

Wir fahren durch Williams und Ash Fork, zwei Städtchen, die sich der Route 66 Kultur verschrieben haben. Die Landschaft öffnet sich langsam, wir sind wieder in der Prairie, die Luft wird wieder heißer. Als mich ein Auto auf der I-40 überholen will, bremst der Fahrer ab und fährt weiter mit gleicher Geschwindigkeit neben mir, das Seitenfenster geht auf und ich werde fotografiert. Anschließend bei Carsten, der vor mir herfährt, das gleiche Spielchen. Jetzt befinden wir uns wahrscheinlich in irgendeinem Fotoalbum als Beispiel für die wirklichen Abenteurer, die es in Amerika doch noch gibt!

In Seligman, einem Route-66-Dorf machen wir Mittagsrast im "Snow Cap Drive In", einem Imbiss mit einem Fahrzeug-Museum. Hinter Seligman wird aus der Prairie eine Halbwüste, später dann eine Wüste. Als ein Gewitter aufzieht, machen wir in Peaches Spring eine Pause. Zum ersten Mal sehen wir einen Hinweis auf das Ende unserer Route: L.A. 442 Meilen.

16.30 Uhr, nach 188 Meilen (301 km) in Kingman bei einer Temperatur von 45 Grad Celsius angekommen.

 

Samstag, 18.7.2009

Um 8.45 Uhr geht’s los. Etwas Bammel vor der Wüstenfahrt heute haben wir schon. Doch zunächst ist unsere kurvige Fahrt durch ein Gebirge in der Wüste über den Sitgreaves-Pass durch das Westernstädtchen Oatman ein Wahnsinnserlebnis, die Temperaturen sind zu dieser Tageszeit auch noch moderat und auszuhalten. Doch kaum aus den Bergen heraus brennt die Sonne gnadenlos. Carsten scherzt noch: "Mach doch mal die Sauna aus!" Doch es kommt noch schlimmer.

 

Zu alledem kommen wir in Topock an die Grenze zu Kalifornien. Hier herrscht Helmpflicht. Darüber flucht Carsten. Mit einem Kopftuch unter dem Helm, Halstuch und langärmeligen Sachen (um die Arme nicht zu verbrennen) geht es weiter durch die Wüste. Es ist zwar eine Tatsache, dass in der amerikanischen Wüste mehr Menschen ertrinken als verdursten (die vielen Washs, die die Straßen kreuzen sind ein Beweis dafür), wir aber haben nur Durst. Alle 25 Meilen wird eine Pause gemacht, um jedes Mal mindestens ein Flasche Wasser zu trinken.

Die einzige Unterbrechung in der Wüste ist der Colorado, der sich wie ein grünes Band durch die Wüste schlängelt. Als wir ihn überqueren, sehen wir unten schwimmende Menschen. Haben die es gut!

In Amboy machen wir eine Tank- und Trinkstopp in Roy‘s Motel und Cafe mit Tankstelle. Roy, ein uriger, alter Typ mit Pistole am Gürtel ist irgendwann hier hängen geblieben. Weiter geht es bis Ludlow, aus der Route 66, die hier genau neben der I-40 verläuft, wird eine Schotterpiste. Unsere Harleys – wir fahren sowieso nur noch auf dem Randstreifen – fangen an zu schwimmen, so dass wir beschließen, zurückzufahren und die letzten 35 Meilen auf der Interstate bis Barstow zu fahren.

16 Uhr in Barstow (California) angekommen - schon mehr als 3.000 Meilen in den USA gefahren - Tagesleistung 254 Meilen (406 km). Stolz, dass wir unser Tagesziel erreicht haben, aber die Fahrt durch die Wüste hat uns geschafft!

 

Sonntag, 19.7.2009

Um 8.30 Uhr geht es zum letzten Mal auf die Route 66. Die 30 Meilen durch die Mojave-Wüste sind bei den morgendlichen Temperaturen – verglichen mit gestern – ein Klacks. Weiter steigen wir jetzt auf der Interstate bis zum Cajon-Pass und haben damit die Berge bezwungen, die den Großraum Los Angeles von der Wüste trennen. Der Verkehr wird hektischer, wir nähern uns der Großstadt. Von San Bernardino bis Pasadena ist die Route 66 schnurgerade und passiert einen Ort nach dem nächsten. Das bedeutet 40 Meilen Malls, Ampeln (an jeder zweiten müssen wir halten, grüne Welle: Fehlanzeige), es zieht sich.

Die Downtown von Los Angeles taucht auf, wir fahren auf dem Sunset Boulevard. Der Fahrtwind auf den letzten Meilen wird kühler, man riecht das Meer. Vor uns das Schild „HOOLWOOD“, vorbei an Beverly Hills mit seinen Villen und an der UCLA.

Wir sind auf dem Santa Monica Boulevard, 26th, 20th, 15th…, von der 10th geht es nur noch im Stopp-and-go-Verkehr weiter. Dann um 15.54 Uhr der Pazifik, wir sind am Santa Monica Pier! Ich kann mir einige Tränen nicht verkneifen, sie steigen mir in die Augen, die Anspannung weicht einer unheimlichen Freude, eine solche Tour geschafft zu haben.

Carsten und ich halten im Parkverbot vor der Plakette, die das Ende der Route 66 angibt:

Will Rogers Highway

dedicated in 1952
to

Will Rogers
Humorist + World Traveler + Good Neighbor

This Main Street of America

Highway 66

was the first road he travelled in
a career that led him straight to
the hearts of his countrymen.

Wir fallen uns in die Arme, schießen ein paar Fotos, parken unsere Harleys „ordnungsgemäß“ und lassen uns vom Trubel auf dem Pier mitreißen.

Zurück in die Downtown zu unserem Hotel in Chinatown: Tagesleistung 189 Meilen (302 km). Und nach dem Abendessen lassen wir unsere Motorräder stehen und feiern unsere Tour als Margarita-Tester in einer Bar, wo wir fast allein sind.

 

Montag, 20.7.2009

Heute ist leichtes Ausfahren angesagt. Wir fahren zum Observatorium, um einen schönen Blick auf Los Angeles werfen zu können und suchen dann einen Punkt, wo wir uns möglichst nahe am Hollywood-Schild fotografieren lassen können.

Weiter noch einmal an den Villen von Beverly Hills vorbei bis nach Malibu und dann 20 Meilen südlich auf dem Highway 1 an unzähligen Stränden vorbei bis zum Venice Beach.

Was uns der sogenannte Muscle Beach aber bietet ist zwar hochinteressant, aber völlig anders wie es in den Reiseführern beschrieben ist. Anstatt der versprochenen schönen, muskulösen Körper wabbelt hier größtenteils das Fett an Körpern, die wie Litfaßsäulen aussehen. Das hält uns aber nicht ab, im Pazifik schwimmen zu gehen.

An unserem letzten Abend gönnen wir uns etwas besonderes, ein schickes Essen im Downtown-Restaurant „Ciudad“ auf der Figueroa Street.

"Berittene" Polizei am Venice Beach  Last Night

 

Dienstag, 21.7.2009

Jetzt heißt es Abschied nehmen von unseren Harleys, am Flughafen ist die Rückgabestation. Es ist alles in Ordnung bis auf das, was an der Harley klebt: Roter Modder aus New Mexico und Wüstensand aus Kalifornien.

Mit allen Ausflügen und allem Verfahren habe ich 3.418 Meilen (5.501 Kilometer) mit meiner Harley Davidson gemacht. Ein letzter wehmütiger Blick zurück: Ich komme wieder!

Good Bye, America!